Erbschaftsplanung

Erbschaftsplanung

Wenn Sie selbst nichts unternehmen, bestimmt das Gesetz, wer Ihre Erben sind und auf welchen Anteil jeder von ihnen Anspruch hat. Erbschaftsplanung bedeutet, dass Sie zu Lebzeiten Maßnahmen ergreifen, um Ihr Vermögen auf Ihre Angehörigen zu übertragen. Indem Sie vorab handeln, können Sie:

  • bestimmte Angehörige schützen oder bevorteilen
  • Ihr Vermögen (teilweise) anderen Personen als Ihren gesetzlichen Erben vermachen
  • die Erbschaftssteuer, die Ihre Erben zahlen müssen, senken
  • das Erbe durch Vermögensübertragungen vor Ihrem Tod früher verteilen

Die Form Ihres Zusammenlebens ist entscheidend

Die Form des Zusammenlebens, für die Sie und Ihr Partner sich entschieden haben, ist besonders wichtig, wenn bestimmt wird, was der überlebende Partner erbt.

  • Tatsächlich Zusammenwohnende erben rechtlich gesehen nicht voneinander.
  • Bei gesetzlich Zusammenwohnenden erbt der überlebende Partner den Nießbrauch der Wohnung und des Hausrats.
  • Verheiratete Partner sind gesetzlich pflichtteilsberechtigte Erben1 voneinander.

Ehevertrag

Mit einem Ehevertrag können Sie Ihren Partner bevorteilen. Sie können:

  • bestimmte eigene Güter ins gemeinsame Vermögen einbringen
  • bestimmen, dass der überlebende Ehegatte mehr als die Hälfte aus der Gemeinschaft erhält. Sie können sogar bestimmen, dass der überlebende Ehegatte das Gesamtgut erhält. Letzteres wird die „der Überlebende erbt alles“-Klausel genannt. In Bezug auf die Erbschaftssteuern ist diese Klausel aber eine sehr kostspielige Angelegenheit.
  • Wahlmöglichkeiten in Ihren Ehevertrag aufnehmen. In einer solchen Wahlklausel können Sie zum Beispiel festlegen, dass der überlebende Ehegatte beim Tod des Partners wählen kann, ob er alle gemeinsamen Güter oder einen Teil davon in vollem Eigentum oder nur in Nießbrauch erhält. Das hat den Vorteil, dass der überlebende Ehegatte diese Wahl aufgrund der konkreten Umstände zum Zeitpunkt des Todesfalls treffen kann: aufgrund des Alters und des Gesundheitszustands, der Beziehung zu den Kindern usw.
  • ...

Mit einem Ehevertrag können Sie auch Kinder aus einer früheren Beziehung schützen.

Diese Anpassungen beziehen sich auf die Verteilung des Vermögens im Todesfall. Manche Änderungen können zu einer höheren Erbschaftssteuer führen. Es ist wichtig, bei Ihrer Entscheidung alle Aspekte zu berücksichtigen und sich durch einen Notar beraten zu lassen.

Testament

Mit einem Testament können Sie einen Teil Ihres Vermögens einem selbst gewählten Begünstigten hinterlassen, ohne den vorbehaltenen Teil der pflichtteilsberechtigten Erben zu berühren. Bei einem Testament gehen die hinterlassenen Güter erst im Todesfall an den Begünstigten. Ein Testament können Sie jederzeit widerrufen. Die Begünstigten müssen auf das, was sie über ein Testament erhalten, Erbschaftssteuer zahlen.

Schenkung

Mit einer Schenkung können Sie zu Lebzeiten Güter auf eine beliebige Person, die Ihnen nahesteht, übertragen. Auch hier müssen Sie den vorbehaltenen Teil Ihrer pflichtteilsberechtigten Erben berücksichtigen.

Die Person, die die Schenkung erhält, wird Begünstigter genannt.

Schenkung von unbeweglichen Gütern

Wenn Sie eine Immobilie schenken wollen, müssen Sie sich an einen Notar wenden. Die Schenkungsurkunde wird dann registriert und Sie zahlen Schenkungssteuer (Flämische Region) oder Schenkungsgebühren (Region Brüssel-Hauptstadt und Wallonische Region). In Flandern wurde die Schenkungssteuer für Immobilien seit 1. Juli 2015 gesenkt, sodass das Schenken von Immobilien attraktiver geworden ist.

Schenkung von beweglichen Gütern

Sie können bewegliche Güter auf verschiedene Arten schenken:

  • über einen belgischen Notar

Sie zahlen Schenkungssteuer. Beim Tod des Schenkers fällt keine Erbschaftssteuer mehr an.

  • über eine Bankschenkung oder einen ausländischen Notar

Bei einer Bankschenkung überweisen Sie Geld oder Wertpapiere über Ihr Bankkonto auf das Konto des Begünstigten. Zum Nachweis der Bankschenkung brauchen Sie einen eingeschriebenen „pacte adjoint“, in dem angegeben ist, dass es sich um eine Schenkung handelt.

Sie zahlen keine Schenkungssteuer. Auf die geschenkten Güter fällt Erbschaftssteuer nur an, wenn der Schenker innerhalb 3 Jahren nach der Schenkung stirbt. Wenn Sie die Begleitdokumente zur Schenkung oder die Schenkungsurkunde vom ausländischen Notar zur Registrierung vorlegen, werden Schenkungssteuer fällig. In diesem Fall zahlen Sie beim Tod des Schenkers keine Erbschaftssteuer mehr.

Lebensversicherung

Mit einer Lebensversicherung können Sie jemanden bei Ihrem Todesfall oder zu Lebzeiten begünstigen, wobei Sie stets den vorbehaltenen Teil der pflichtteilsberechtigten Erben berücksichtigen müssen. So kann es nützlich sein, Ihre Enkel zu begünstigen. Weil sie zu den Tarifen für die direkte Linie und getrennt besteuert werden, werden sie insgesamt weniger Erbschaftssteuer zahlen müssen. Die Steuer wird nämlich über mehr Erben verteilt.

Wenn das versicherte Ereignis eintritt (Ihr Tod oder das Enddatum des Versicherungsvertrags) schüttet die Versicherungsgesellschaft der Person, die im Vertrag als Begünstigter eingesetzt wurde, ein Kapital aus. Solange das versicherte Ereignis nicht eintritt, können Sie eine Lebensversicherung im Prinzip jederzeit zurückkaufen oder den Begünstigten ändern.

Die vertragliche Begünstigung mit einer Lebensversicherung hat Vorrang vor den Bestimmungen des Ehevertrags und des Testaments. Aufgrund der Begünstigungsklausel erfolgt die Auszahlung an den Begünstigten direkt, also außerhalb des Nachlasses. Das können Sie vermeiden, indem Sie als Begünstigten den „Nachlass“ angeben. Dann erhält die Auszahlung dieselbe Bestimmung wie der Rest des Nachlasses des verstorbenen Versicherungsnehmers. Auf diese Auszahlung ist Erbschaftssteuer fällig.

Erbschaftsplanung mit Lebensversicherungen erfolgt sowohl mit Sparversicherungen mit garantiertem Zinsertrag (Zweig 21) als auch mit Anlageversicherungen gekoppelt an Investmentfonds (Zweig 23).

Beachten Sie: Der Versicherungsnehmer2 der Police ist am besten dieselbe Person, wie der Versicherte3. So vermeiden Sie, dass die Versicherung beim Tod des Versicherungsnehmers gesperrt bleibt, solange der Versicherte noch lebt.

Tontine- oder Zuwachsklausel

Als nicht verheiratete zusammenwohnende Partner können Sie einander auch mit einer Tontine- oder Zuwachsklausel bevorteilen. Lassen Sie sich darüber auf jeden Fall professionell beraten.

Schützen Sie Ihre Erben vor den finanziellen Folgen Ihres Todes

Neben Erbschaftsplanung können Sie Ihre Erben auch noch auf andere Arten extra schützen.

1 Pflichtteilsberechtigte Erben sind die Nachkommen, die Blutsverwandten in aufsteigender direkter Linie (wenn es keine Nachkommen gibt) und der überlebende Ehegatte. Sie haben Anspruch auf einen bestimmten Teil Ihres Nachlasses, den sogenannten Pflichtteil. Im Todesfall steht die Hälfte des gemeinsamen Vermögens dem überlebenden Ehegatten zu und erbt dieser den Nießbrauch über den gesamten Nachlass (= die andere Hälfte des gemeinsamen Vermögens und das eigene Vermögen des verstorbenen Partners). Wenn es keine Kinder gibt, geht das Gesamtgut in vollem Eigentum an den überlebenden Partner. Der eheliche Güterstand, nach dem Sie verheiratet sind, bestimmt, welcher Teil des Vermögens gemeinsam ist.

2 Die Person, die die Police abschließt und die Prämien zahlt.

3 Eine Lebensversicherung wird auf das Leben des Versicherten abgeschlossen. Sein Tod oder sein „Erleben“ zum Enddatum bestimmen, ob der Versicherer ausschütten muss.

Diese Seite ist nützlich für Sie? Ja Nein