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Kupfer: der Engpass bei der Elektrifizierung

Kupfer war lange Zeit das Barometer für die Weltwirtschaft. Die Anleger folgten „Dr. Copper“, um frühzeitige Signale für Wachstum oder Stagnation zu erkennen. Aber das Metall ist aus dieser traditionellen Rolle mehr als herausgewachsen. In einer Welt, die sich gleichzeitig elektrifiziert, digitalisiert und militarisiert, ist Kupfer zu einem strategischen Engpass geworden.

Erläuterungen von Jonas Theyssens, Experte für kritische Rohstoffe und die Infrastruktur der Zukunft und Portfoliomanager bei KBC Asset Management.

Kupfer ist der Schlüssel für alles, was wir bauen, laden, verbinden und automatisieren. Ohne größere Investitionen droht innerhalb von anderthalb Jahrzehnten ein strukturelles Defizit von Millionen Tonnen pro Jahr.

Jonas Theyssens, Experte für kritische Rohstoffe und die Infrastruktur der Zukunft, Portfoliomanager KBC Asset Management

Die Zahlen sprechen Bände. Bis zum Jahr 2040 wird die weltweite Kupfernachfrage um etwa die Hälfte steigen, von heute rund 28 Millionen Tonnen auf über 40 Millionen Tonnen. Dieses Wachstum hat nicht einen bestimmten Grund, sondern ist das Ergebnis eines Zusammenspiels von strukturellen Verschiebungen: der Energiewende, der Explosion von Datenzentren und künstlicher Intelligenz, der Elektrifizierung der Mobilität und einem neuen militärischen Wettlauf. Das große Problem: Das Angebot bewegt sich nicht im gleichen Tempo. 

Warum Kupfer heute ein so wichtiges Thema ist

  • Kupfer in unserem täglichen Leben
    Von Häusern und Autos bis hin zu Haushaltsgeräten und Industriemaschinen - Kupfer ist die stille Kraft im Hintergrund. Die Urbanisierung in Asien und Afrika, höhere Einkommen und strengere Bauvorschriften sorgen weiterhin für eine robuste Nachfrage nach Kupfer.

  • Energiewende beschleunigt Nutzung
    Elektroautos, Solarmodule, Windturbinen, Batterien ... für all das wird Kupfer benötigt. Ein Elektroauto enthält zum Beispiel bis zu dreimal mehr Kupfer als ein Verbrenner. Weltweit werden die Stromnetze ausgebaut und verstärkt, um mit der steigenden Nachfrage und Intensität Schritt zu halten.

  • Künstliche Intelligenz und Rechenzentren beschleunigen die Entwicklung
    Die Explosion der künstlichen Intelligenz führt zu einem starken Wachstum der Rechenzentren. Diese verbrauchen enorme Mengen an Strom und erfordern eine kompakte und hitzebeständige Verkabelung. Genau das zeichnet Kupfer aus.
     
Es wird erwartet, dass die US-Rechenzentren bis zum Ende dieses Jahrzehnts mehr als ein Zehntel des gesamten Strombedarfs verbrauchen werden. Jedes zusätzliche Megawatt erfordert nicht nur Server und Kühlung, sondern auch Kupfer in Umspannwerken, Kabeln und Netzanschlüssen.

Jonas Theyssens, Experte für kritische Rohstoffe und die Infrastruktur der Zukunft, Portfoliomanager KBC Asset Management

  • Neue Anwendungen: Verteidigung und Robotik
    Moderne Kommunikationssysteme, elektrische Antriebe in der Verteidigung oder - in Zukunft - humanoide Roboter, sie alle verbrauchen eine Menge Kupfer. Es zeigt, wie stark das Metall inzwischen in den neuen Technologien verwoben ist. 
     
Die Schätzungen für humanoide Roboter reichen von einigen Dutzend Millionen bis zu Hunderten von Millionen oder sogar mehr als einer Milliarde. Aber unabhängig davon, wie diese Zahl ausfällt, werden sie nicht nur „intelligent“, sondern auch besonders stark verkabelt sein. Humanoide Roboter laufen nicht allein mit Code. Sie laufen mit Kupfer.

Jonas Theyssens, Experte für kritische Rohstoffe und die Infrastruktur der Zukunft, Portfoliomanager KBC Asset Management

Warum Kupfer so schwer zu ersetzen ist

Kupfer vereint Eigenschaften, die nur wenige andere Werkstoffe aufweisen: außergewöhnlich hohe elektrische Leitfähigkeit, starke Wärmeableitung, Langlebigkeit, Korrosionsbeständigkeit und vollständige Wiederverwertbarkeit. Es gibt Alternativen wie Aluminium, die jedoch mehr Platz benötigen, weniger effizient sind oder bei hohen Temperaturen schlechter funktionieren. Vor allem in Rechenzentren ist Kupfer daher oft „alternativlos“.

Das Angebot steht unter Druck

Trotz steigender Nachfrage wächst das Angebot kaum. Hierfür gibt es mehrere Gründe:

  • Die bestehenden Minen sind in die Jahre gekommen, und die durchschnittliche Kupferkonzentration in den Erzen nimmt stetig ab, insbesondere in Südamerika. Das bedeutet mehr Gestein, mehr Energie und höhere Kosten pro produzierte Tonne. Neue Entdeckungen sind seltener, tiefer gelegen und komplexer zu fördern.
  • Dazu kommen weitere Hürden: Genehmigungen, Umweltverfahren, Rechtsstreitigkeiten und politische Unsicherheit. Im Durchschnitt vergehen heute etwa 17 Jahre von der Entdeckung bis zur Förderung. In einem Markt, der rasch in Richtung Mangel entgleist, ist das eine Ewigkeit.
  • Die Anfälligkeit von Kupfer endet nicht an der Mine. Das nächste Glied in der Kette - Schmelzen und Raffinieren - stellt ebenfalls ein strategisches Risiko dar. Diese Prozesse sind in bestimmten Regionen stark konzentriert, wobei der Schwerpunkt eindeutig in China liegt. Auch Schmelzwerke und Raffinerien arbeiten mit geringen Gewinnspannen und hohen Kapitalkosten. Niedrige und schwankende Erträge aus der Verarbeitung schrecken von neuen Investitionen ab, insbesondere außerhalb der bestehenden Verarbeitungszentren. Daraus ergibt sich eine paradoxe Situation: Selbst wenn genügend Kupfererz zur Verfügung stünde, könnte sich der Engpass vom Abbau zur Verarbeitung verlagern. 
     
In einer Welt, die zunehmend auf eine zuverlässige Stromversorgung, eine robuste KI-Infrastruktur und sichere Stromnetze angewiesen ist, wird die Anfälligkeit bestimmter Regionen zu einem strategischen Anliegen.

Jonas Theyssens, Experte für kritische Rohstoffe und die Infrastruktur der Zukunft, Portfoliomanager KBC Asset Management

  • Recycling bietet eine Erleichterung, aber keine alleinige Lösung. Bis 2040 könnte recyceltes Kupfer ein Drittel des weltweiten Bedarfs decken. Dennoch bleibt die Primärproduktion unverzichtbar, um die wachsende Nachfrage zu decken.

Kupfer als Ermöglicher des Wachstums

Das Gesamtbild ist deutlich. Kupfer ist nicht mehr nur ein Baustein der industriellen Wirtschaft, sondern der Schlüssel zum Fortschritt in einem Zeitalter, in dem sich Elektrifizierung, Digitalisierung und Sicherheit gleichzeitig beschleunigen. Wirtschaftswachstum, Netzausbau, erneuerbare Energien, künstliche Intelligenz, Elektromobilität und moderne Verteidigungssysteme skalieren nicht sequentiell, sondern gleichzeitig. All diese Entwicklungen basieren auf demselben physikalischen Träger: Elektrizität - und damit zwangsläufig auf Kupfer.

Genau darin liegt die Herausforderung. Die Welt tritt in eine Phase ein, in der die Nachfrage nach Strom und digitalen Kapazitäten schneller wächst als die Fähigkeit, das zugrunde liegende materielle System zu erweitern. Ohne ausreichend Kupfer verlangsamt sich die Elektrifizierung, kommt der Ausbau der KI-Infrastruktur ins Stocken und wird die Energiewende nicht nur komplexer, sondern auch deutlich teurer.  

Was als Ressourcenproblem beginnt, droht zu einem Engpass für Produktivität, Technologie und Klimapolitik zu werden.

Jonas Theyssens, Experte für kritische Rohstoffe und die Infrastruktur der Zukunft, Portfoliomanager KBC Asset Management


Die Frage ist also nicht, ob Kupfer von strategischer Bedeutung ist – das ist längst geklärt –, sondern ob Regierungen, Industrie und Investoren in der Lage sind, das Angebot rechtzeitig und belastbar zu erhöhen. Dies erfordert eine berechenbare Politik, effizientere Genehmigungsverfahren, stabile Steuersysteme und Investitionen, die sich über Jahrzehnte erstrecken. Gleichzeitig müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die Verarbeitungskette weniger konzentriert und damit widerstandsfähiger gegen geopolitische Schocks zu machen.

In den nächsten Jahren wird sich zeigen, in welche Richtung die Waage sich neigt. Wenn es den Ländern gelingt, die Unsicherheit zu verringern und die Entscheidungsfindung zu beschleunigen, kann Kupfer seine Rolle als stiller Wachstumsermöglicher weiterhin erfüllen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das Metall zu dem wird, was es nie zuvor war: kein Warnsignal für die Konjunktur, sondern eine aktive Konjunkturbremse. Im Zeitalter von künstlicher Intelligenz und Stromnetzen ist das ein Risiko, das sich die Weltwirtschaft kaum leisten kann.

 

Wo liegen die Chancen in dieser großen Story?

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Chancen für einen Themen-Anleger, der sich für Kupfer interessiert, in folgenden Punkten liegen:

  1. Elektrische Mobilität
    Elektrofahrzeuge – vom Auto bis zum Güterverkehr – sind weltweit auf dem Vormarsch. Auch Ladestationen und Schnellladenetze sind voll von Kupfer.
  2. Erneuerbare Energien und Netzausbau
    Windparks, Solaranlagen und größere, intelligentere Stromnetze erfordern strukturell mehr Materialien, einschließlich Kupfer.
  3. KI-Infrastruktur und Rechenzentren
    Jede neue Welle von Rechenzentren erfordert Serverräume, Kühlsysteme und Netzanschlüsse. Rechenzentren gehören zu den am schnellsten wachsenden Kupferverbrauchern.
  4. Robotik und Automatisierung
    Von Industrierobotern bis hin zu zukünftigen humanoiden Robotern umfasst jedes System Motoren, Sensoren und Verkabelung. 
  5. Recycling und Kreislaufmaterialien
    Die Konzentration auf zirkuläre Rohstoffe eröffnet Möglichkeiten für Technologien, die das Recycling effizienter machen.
  6. Innovation in der Bergbautechnik
    Neue Gewinnungsmethoden, Automatisierung und geringere Umweltauswirkungen sind Bereiche im Umbruch.
     
Die Welt von morgen wird von Kupfer beherrscht sein. Elektrifizierung, Digitalisierung und neue Technologien lösen einander rasch ab. Damit ist Kupfer mehr als nur ein Rohstoff. Es ist die Grundlage für den Wandel, der unsere Gesellschaft prägt.

Jonas Theyssens, Experte für kritische Rohstoffe und die Infrastruktur der Zukunft, Portfoliomanager KBC Asset Management

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Dieser Artikel ist rein informatorisch und darf nicht als Anlageberatung betrachtet werden.