Von Zero zum Hero: Anleger erheben das Glas auf alkoholfreie Getränke

Haben Sie im Februar an der Tournée Minérale (der belgischen Version von „Sober October“ und „Dry January“) teilgenommen? Dann sind Sie nicht allein! Wir trinken immer weniger Alkohol und es kommen immer mehr Alternativen auf den Markt. Alkoholfreie und alkoholarme Getränke sind auf dem Vormarsch. Aber sind sie auch eine gute Geldanlage?  

Zählt man die Mengen, haben alkoholfreie Getränke nur einen Bruchteil am Gesamtmarkt. Man kann jedoch von einem erheblichen prozentualen Wachstum sprechen, sowohl bei den Verkaufszahlen als auch bei der Auswahl.

Dea Shehu, Thema-Portfoliomanagerin KBC Asset Management

Trend „Kein Alkohol“ setzt sich durch

„Der Umsatz alkoholfreier Versionen von alkoholischen Getränken beträgt heute etwa 1% des weltweiten Alkoholumsatzes“, sagt Dea Shehu, Thema- ortfoliomanagerin bei KBC Asset Management. „Diese Zahl scheint fast unbedeutend zu sein, aber es gibt einen konstanten Trend in den letzten zehn Jahren. Wir verzeichneten ein allmähliches Wachstum von 5 Milliarden USD im Jahr 2009 auf 18 Milliarden USD im Jahr 2022. Allein im letzten Jahr wuchs der Markt für alkoholfreie Getränke um 33%. Zwar geschah das von einer kleinen Basis aus, aber wir können definitiv sagen, dass alkoholfreie Getränke nicht mehr nur ein Hype sind. Sie sind definitiv ein Trend. Auf den Markt gekommen, um zu bleiben.“  Frankreich zum Beispiel, das meist noch als das Weinland schlechthin gilt, ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte für alkoholfreie Getränke. Immer mehr Weinerzeuger experimentieren mit Geschmacksrichtungen und Optionen. „Große multinationale Unternehmen, wie zum Beispiel Pernod Ricard, investieren ebenfalls in den Sektor“, fügt Shehu hinzu. 

Der Markt ist reif dafür. Die gesellschaftliche Akzeptanz von 0,0% ist hoch. Niemand lacht mehr über alkoholfreie Getränke.

Dea Shehu, Thema-Portfoliomanagerin KBC Asset Management

Durch Initiativen wie die Tournée Minérale wird das Angebot an hochwertigen alkoholfreien Getränken erhöht. Auch das Gastgewerbe leistet einen wichtigen Beitrag. Alkoholfreie Alternativen bekommen einen festen Platz auf der Speisekarte. Viele Restaurants haben in den letzten Jahren eine Bierkarte oder sogar einen Biersommelier eingeführt, wobei die alkoholfreien Bierspezialitäten einen eigenen Platz einnehmen. „Die Gäste geben sich nicht mehr mit nur einer alkoholfreien Alternative zufrieden. Sie wollen die Wahl haben. Ein mittlerer bis großer Gastronomiebetrieb bietet heute mindestens fünf qualitativ hochwertige alkoholfreie Alternativen an, vorzugsweise auch eine lokale Variante“, so Shehu. 

„Ein weiterer Trend besteht darin, alkoholfreie Alternativen mit Gerichten zu kombinieren und so ein Ökosystem zu schaffen, das neue Gewohnheiten ermöglicht“, so Shehu. 

Wer sind die Verbraucher alkoholfreier Getränke?

Wer alkoholfreie Getränke konsumiert, kennt sich mit Marken aus und folgt Trends. Ein schönes Beispiel ist der alkoholfreie Sekt von Kylie Minogue, der in der vergangenen Urlaubssaison im Vereinigten Königreich eine Sensation war. Auch jetzt noch ist er ein Verkaufsschlager im Vereinigten Königreich bei Tesco. 

Dies bringt uns zu einem weiteren Trend, dem Engagement von Prominenten in der Branche. Wie bei alkoholischen Weinen und Spirituosen engagieren sich Prominente auch bei alkoholarmen und alkoholfreien Getränken. Lewis Hamilton, der Formel-1-Star, hat einen alkoholfreien Premium-Tequila lanciert. Katy Perry hat einen alkoholfreien Aperitif auf den Markt gebracht. Und Bella Hadid ist eine der Gründerinnen von Kin Euphorics.

Vor allem jüngere Menschen scheinen weniger zu trinken. „Schließlich waren es die Millennials (die zwischen 1980 und 1995 Geborenen) und dann die Gen Z (die zwischen 1996 und 2010 Geborenen), die den Dry February und den Sober October erfunden habe“, sagt Shehu.

Warum wird weniger getrunken? Ein größeres Angebot an Alternativen und die Angst, im Zustand der Trunkenheit von einer Kamera festgehalten und in sozialen Medien gezeigt zu werden, sind einige der Gründe dafür. „Vor allem die Gesundheit spielt eine immer wichtigere Rolle“, argumentiert Shehu. „Im Januar 2023 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine wissenschaftliche Studie, die zeigt, dass es kein gesundes Maß anAlkoholkonsum gibt. Dies ist das erste Mal, dass die WHO zu einer solchen Schlussfolgerung kommt, nachdem lange Zeit die Auffassung bestand, dass mäßiger Alkoholkonsum in Ordnung ist und sogar von Vorteil sein kann.“ Ziel von Initiativen wie der Tournée Minérale ist es, dem Körper eine Alkoholpause zu gönnen und die eigenen Alkoholgewohnheiten zu überdenken.  

Verbraucher sind bereit, für das Erlebnis zu zahlen

Man trinkt weniger Alkohol als früher. Und wenn Alkohol getrunken wird, entscheidet man sich eher für eine teurere und hochwertigere Variante.

„Wir sind als Verbraucher anspruchsvoller geworden und sehen Alkohol eher als ein Erlebnis denn als ein Produkt. Das ist bei alkoholfreien Alternativen nicht anders. Beim Aperitif zum Beispiel geht es um den Augenblick. Zeit für einen schönen Start ins Wochenende mit Freunden oder der Familie. Sie können einen guten Wein trinken,  ber eine alkoholfreie Alternative ist genauso gut. Und seien wir mal ehrlich, ein 0,0-Bier oder ein Cocktail ist jetzt einfach angesagter als ein Glas Wasser oder eine Cola“, sagt Shehu.

„Die Verbraucher sind nicht bereit, einfach nur alkoholfrei zu trinken“, fügt Sheha hinzu. „Man schätzt auch guten Geschmack und ein hochwertiges Produkt. Darüber hinaus ist das Image wichtig. Daher wächst der Markt für alkoholfreies Bier so schnell. Den Brauereien ist es viel besser gelungen, den Geschmack und den festlichen Charakter von alkoholischem Bier mit dem von alkoholfreiem Bier in Einklang zu bringen.“ Fast 90% des Umsatzes mit alkoholfreien Getränken werden von der Bierindustrie erzielt. 

„Die Verbraucher sind durchaus bereit, für eine alkoholfreie Alternative zu zahlen“, sagt Shehu. „Zumal der Preis oft mit Qualität assoziiert wird. Wenn alkoholfreie Produkte zu billig sind, werden sie von den Verbrauchern oft als minderwertig im Vergleich zu alkoholischen Produkten angesehen. Dies ermöglicht den Erzeugern, eine etwas größere Gewinnspanne zu erzielen. Und genau hier liegen die Chancen für Investoren.“ 

Wachstumspotenzial und höhere Margen

Der Markt für alkoholfreie Getränke bietet interessante Gewinnspannen für Unternehmen. Ganz einfach, weil alkoholfreie Getränke in der Regel etwas teurer verkauft werden als die alkoholischen Varianten. Auf die Frage, warum das so ist, lautet die Standardantwort der Branche: höhere Produktionskosten. „Zum Teil mag das stimmen“, meint Shehu, „aber es gibt sicherlich noch einen anderen Faktor, der eine Rolle spielt. Der Faktor ‚Steuern‘ macht vieles wett.“ 

In vielen Ländern wird Alkohol stark besteuert. Alkoholfreie Getränke werden weniger stark besteuert, während sie als Luxusprodukt zu einem höheren Preis verkauft werden können.

Dea Shehu, Thema-Portfoliomanagerin KBC Asset Management

„Brauereien können von diesem Trend sehr profitieren. Heineken hat beispielsweise bekannt gegeben, dass sein alkoholfreies Heineken im Vergleich zu einem normalen Heineken einen anderthalbmal höheren Bruttogewinn pro hundert Liter einbringt“, sagt Shehu. „Wenn man bedenkt, dass der Markt für alkoholfreies Bier dreimal so schnell wächst wie der gesamte Biermarkt, versteht man die Möglichkeiten.“ Die großen Befürworter unter den Brauern investieren massiv in alkoholfreies Bier. Für sie ist dies der Wachstumspfad. 

„Wir sehen auch neue Akteure am Markt“, fügt Shehu hinzu. Es gibt so viele Arten von alkoholfreien Getränken auf dem Markt, vor allem bei den Bieren, dass das Grundempfinden der Verbraucher verwässert wird. Sicherlich probieren jüngere Bierliebhaber gerne neue Dinge aus. „Apps wie ‚Untappd‘ nutzen dies eifrig aus." 

Wählerisch sein ist ein Muss

Auf dem Markt gibt es große Unterschiede, insbesondere für Anleger. „Alkoholfreies Bier und alkoholfreie Spirituosen zum Beispiel wachsen nicht in gleichem Maße“, sagt Shehu. Lokale Anbieter haben es auf einem Markt, an dem der Absatz in absoluten Zahlen immer noch begrenzt ist, auch schwerer als die großen Global Player, die neben alkoholischen auch alkoholfreie Varianten anbieten. „Nehmen Sie  Pernod oder Campari, oder Heineken oder Carlsberg im Biersegment“, sagt Shehu. „Das sind große Namen in der Getränkeindustrie. Als sie mit einer alkoholfreien Variante auf den Markt kamen, war der Absatz bereits gesichert. Allein schon wegen des Namens. Bei kleineren Anbietern oder neuen Marktteilnehmern sieht die Sache anders aus.“  

Für den Anleger ist es wichtig, zu diversifizieren und qualitativ hochwertige Namen auszuwählen. Die Getränkehersteller, die 0.0% am erfolgreichsten umsetzen, werden den Ausschlag geben.

Dea Shehu, Thema-Portfoliomanagerin KBC Asset Management


Alkoholfreie Getränke sind im Kommen. Und der Trend hält an. Dank der alkoholfreien Getränke weht ein neuer Wind durch die Branche. Als thematischer Anleger kann man davon profitieren, aber man muss schon etwas wählerisch sein. „Es gibt definitiv Möglichkeiten für Anleger“, schließt Shehu, „aber wie bei jeder anderen Geldanlage muss man seine Hausaufgaben machen und eine bewusste Entscheidung treffen.

Möchten Sie mehr über thematisches Investieren erfahren?

Hier erfahren Sie mehr

Dieser Artikel ist rein informativ und sollte nicht als Anlageberatung betrachtet werden.