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El Niño greift Ihnen in die Tasche 

Der Inhalt Ihres Einkaufswagens wird teurer. Schokolade kostet mehr, die Kaffeepreise schwanken und auch zahlreiche andere Lebensmittel werden teurer. Unsere Wirtschaft reagiert immer empfindlicher auf Wetterextreme. Manchmal liegt die Ursache ganz in der Nähe. Manchmal Tausende von Kilometern entfernt. Wie bei El Niño, einem Wetterphänomen, das im Pazifik entsteht, dessen wirtschaftliche Folgen aber letztendlich bis in unseren Geldbeutel reichen können. 

Zu Wort kommen Anthony Sandra und Dea Shehu, beide Portfoliomanager bei KBC Asset Management. Sie warnen vor den wirtschaftlichen Auswirkungen von El Niño.  

Extremwetter macht sich in Ihrem Einkaufswagen bemerkbar

Für die meisten Menschen werden die Auswirkungen von Extremwetter zunächst in den Supermarktregalen sichtbar. 

Wenn Dürren, Überschwemmungen oder extreme Hitze wichtige Agrarregionen treffen, bleiben die Folgen selten lokal begrenzt. Die Ernten fallen geringer aus, der Transport wird gestört und die Preise reagieren darauf. Produkte wie Kaffee, Kakao, Palmöl und Zucker gehören traditionell zu den Rohstoffen, die am empfindlichsten auf El Niño reagieren. 

Der spektakuläre Anstieg des Kakaopreises hat in den vergangenen Jahren deutlich gemacht, wie schnell sich Probleme, die Tausende von Kilometern entfernt auftreten, bis in den europäischen Einkaufswagen auswirken können. Das gilt nicht nur für Kakao. In einer globalisierten Wirtschaft wirken sich Wetterbedingungen immer häufiger auf weltweite Produktions- und Transportketten aus – und letztlich auch auf die Preise, die die Verbraucher zahlen. 

Wenn wir über El Niño sprechen, geht es letztendlich nicht nur um das Wetter. Es geht darum, wie anfällig unsere Wirtschaft gegenüber Störungen in der Lebensmittelproduktion, der Wasserwirtschaft und den globalen Lieferketten geworden ist.

Anthony Sandra, Portfoliomanager bei KBC Asset Management

Die Auswirkungen hören nicht an der Kasse auf

Extremwetter hat nicht nur Folgen für die Nahrungsmittelproduktion. Wenn Dürren, Überschwemmungen oder Hitzewellen die Wasserverfügbarkeit unter Druck setzen, hat dies auch Folgen für die Energieerzeugung, die Industrie und den Verkehr. In manchen Regionen können niedrigere Wasserstände die Stromerzeugung erschweren oder wichtige wirtschaftliche Aktivitäten beeinträchtigen. Auch die Rohstoffmärkte bleiben davon nicht verschont. Störungen im Bergbau, in der Landwirtschaft oder in internationalen Logistikketten können sich weltweit auf Preise und Investitionen auswirken. 

Überschwemmungen, Stürme und Waldbrände verursachen zudem immer größere Schäden. Versicherer müssen diese Kosten auffangen. Und wie in jeder Branche werden steigende Kosten letztendlich an den Kunden weitergegeben. Für Familien und Unternehmen bedeutet das oft höhere Prämien. Was auf den ersten Blick wie ein Problem für die Bewohner einer überschwemmten Region oder eines von einem Brand betroffenen Gebiets erscheint, wirkt sich nach und nach auf eine viel größere Gruppe von Versicherten aus. 

Dennoch ist das Bild nicht immer schwarz-weiß. In manchen El-Niño-Jahren gab es weniger Hurrikane im Atlantik und damit auch weniger Schadensfälle. Welche Auswirkungen die Versicherer letztendlich spüren, hängt stark davon ab, wo extremes Wetter zuschlägt und welche Schäden es verursacht. 

Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Extremwetter beschränken sich also nicht auf den Ort, an dem der Schaden entsteht. Sie breiten sich über Energiepreise, Rohstoffmärkte, Versicherungskosten und den internationalen Handel aus. 

Auch die Regierungen müssen die Rechnung bezahlen

Nicht nur Verbraucher, Unternehmen und Versicherer spüren die Folgen. Regierungen investieren zunehmend in Wasserwirtschaft, Hochwasserschutz, hitzebeständige Städte und klimaresistente Infrastruktur. Auch Flandern stellt zusätzliche Mittel bereit, um besser mit Dürre, Hochwasser und dem zunehmenden Druck auf die Wasserressourcen umzugehen. Das ist kein Zufall. Aufgrund des trockenen Wetters riefen Behörden und Wasserwirtschaftsbetriebe diesen Sommer erneut dazu auf, sparsam mit Wasser umzugehen, und an verschiedenen Orten wurden Dürremaßnahmen ergriffen. 

Diese Investitionen sind notwendig. Niemand will damit warten, bis Brücken, Straßen, Wasserläufe oder die Energieversorgung versagen. Aber sie kosten nicht wenig. Ob es nun um Deiche, Wasserspeicher, Kanalisationsarbeiten oder Hochwasserschutz geht: Letztendlich muss die Gesellschaft die Rechnung bezahlen. 

Extremwetter erreicht uns also nicht nur über die Nachrichten. Wir spüren es auf unseren Kassenzetteln und Rechnungen, bei unseren Versicherungsprämien und bei den Investitionen, zu denen sich die Behörden veranlasst sehen, um unsere Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen.

Ist El Niño der Hauptverursacher?

Wenn extreme Wetterereignisse schnell aufeinanderfolgen, taucht oft derselbe Name auf: El Niño. Dabei handelt es sich um ein natürliches Wetterphänomen, bei dem sich ein Teil des Pazifiks vorübergehend erwärmt und Wetterverläufe an anderen Orten der Welt stören kann. Dennoch ist es falsch, jede Hitzewelle, jeden Waldbrand oder jede Dürreperiode automatisch El Niño anzulasten. 

Die jüngsten Hitzewellen und Waldbrände in Europa sowie die Dürreprobleme, mit denen Belgien regelmäßig zu kämpfen hat, sind in erster Linie die Folge des allgemeinen Klimawandels. Durch die globale Erwärmung treten extreme Wetterereignisse häufiger auf, dauern länger an und werden intensiver. Auch die Weltorganisation für Meteorologie weist darauf hin, dass sowohl natürliche Phänomene als auch der vom Menschen verursachte Klimawandel eine Rolle spielen, dass jedoch die strukturelle Erwärmung des Klimas eine wichtige treibende Kraft hinter den zunehmenden Extremen ist. 

Diese Unterscheidung ist wichtig. Wir suchen gerne nach einer einzigen, eindeutigen Erklärung für komplexe Ereignisse. Doch die Realität ist selten so einfach. El Niño ist nicht der große Übeltäter hinter allem, was heute im Klimabereich geschieht. Er kann bestehende Probleme verstärken und bestimmte Regionen besonders anfällig machen, aber der allgemeine Trend zur Klimaerwärmung hat nicht direkt damit zu tun. 

Für Europa sind die wirtschaftlichen Folgen von El Niño oft wichtiger als die direkten Auswirkungen auf das Wetter. Störungen bei Ernten, Rohstoffströmen und im internationalen Handel in anderen Teilen der Welt können letztendlich auch unsere Wirtschaft sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. 

Die Auswirkungen von El Niño sind selten einseitig. Während manche Regionen und Branchen unter Druck geraten, können andere gerade von höheren Ernten, einem größeren Angebot oder günstigeren Wetterbedingungen profitieren.

Dea Shehu, Portfoliomanager bei KBC Asset Management

Was bedeutet das für Ihre Geldanlagen?

Was als Wetterphänomen beginnt, kann sich letztendlich in den Unternehmensergebnissen und der Entwicklung des Aktienmarktes niederschlagen. 

Störungen wichtiger Handelsrouten können die Transportkosten in die Höhe treiben und Lieferketten unter Druck setzen. Das sehen wir bereits heute bei der Straße von Hormus und Bab el-Mandeb, zwei wichtigen Durchgängen für den Welthandel. Kommen dann noch extreme Wetterbedingungen hinzu, können die Auswirkungen schnell an Bedeutung gewinnen. Während der El-Niño-Dürre im Jahr 2024 führten beispielsweise niedrige Wasserstände im Panamakanal bereits zu Einschränkungen im Schiffsverkehr. Was für Verbraucher zunächst als höherer Preis im Geschäft beginnt, kann für Unternehmen zu höheren Kosten, Verzögerungen und geringeren Gewinnmargen führen. 

Nicht jedes Unternehmen ist gleichermaßen betroffen. Eine Verknappung landwirtschaftlicher Rohstoffe wie Zucker, Reis, Kaffee, Kakao oder Palmöl kann für Landwirte, Erzeuger und Agrarunternehmen von Vorteil sein, die von höheren Preisen profitieren. Auch der Einzelhandel und Discounter können davon profitieren. Für Futtermittelhersteller gilt oft genau das Gegenteil. Sie sind auf landwirtschaftliche Rohstoffe wie Zucker, Getreide und eiweißreiche Pflanzen angewiesen. Wenn diese teurer werden, steigen ihre Kosten und ihre Gewinnmargen geraten unter Druck. Diese höheren Kosten können sich dann auf die Preise für Fleisch- und Milchprodukte auswirken. 

El Niño schafft also nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner. Diese Dynamik bleibt den Anlegern nicht verborgen. Manche Vermögensverwalter stellen sogar Portfolios aus potenziellen „El-Niño-Gewinnern“ zusammen: Unternehmen und Branchen, die von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Wetterphänomens profitieren können. El Niño ist also nicht nur eine Quelle von Risiken, sondern kann auch Chancen schaffen. Diesen Unterschied sehen wir auch zwischen den Regionen. Während Dürre in Teilen Asiens die Preise bestimmter Agrarrohstoffe in die Höhe treiben kann, können zusätzliche Niederschläge und bessere Ernten in Ländern wie Brasilien und Argentinien gerade für ein größeres Angebot sorgen. So können höhere Ernten von Kulturen wie Soja, Mais und Weizen Preisanstiege anderswo teilweise abbremsen. In einigen Regionen können zusätzliche Niederschläge zudem die Stromerzeugung aus Wasserkraft unterstützen. 

Auch im Energiesektor kann es zu Verschiebungen kommen. Wenn Dürre die Stromerzeugung aus Wasserkraft unter Druck setzt oder den Betrieb bestimmter Kraftwerke erschwert, können alternative Energiequellen wie Solar- und Windenergie relativ an Bedeutung gewinnen. Bei industriellen Rohstoffen oder Metallen zeigt sich ein ähnliches Bild. Überschwemmungen in chilenischen Kupferbergbaugebieten haben in der Vergangenheit die Kupferproduktion gestört, was Auswirkungen auf die Verfügbarkeit und den Preis eines Metalls hatte, das für Technologie, Elektrifizierung und die Energiewende von entscheidender Bedeutung ist.

El Niño schafft nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner. Für Anleger liegt die eigentliche Herausforderung nicht darin, das nächste Wetterphänomen vorherzusagen, sondern zu verstehen, welche Unternehmen anfällig für solche Störungen sind und welche gerade von den dafür entwickelten Lösungen profitieren können.

Anthony Sandra & Dea Shehu, Portfoliomanager, KBC Asset Management

Für Anleger geht es daher weniger darum, das nächste Wetterphänomen vorherzusagen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, zu verstehen, welche Unternehmen anfällig für solche Störungen sind und welche gerade von den dafür entwickelten Lösungen profitieren können. 

Die Zusammenhänge zwischen Klima, Wirtschaft, Branchen und Märkten sind komplex. Für viele Anleger liegt der Mehrwert daher nicht nur in einem gut diversifizierten Anlagevermögen, sondern auch in der Begleitung durch Experten, die dabei helfen, Risiken, Chancen und langfristige Trends richtig einzuschätzen. Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Wer jedoch gut vorbereitet ist, muss sich davon auch nicht überraschen lassen. 

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Dieses Dokument ist eine Veröffentlichung der KBC Asset Management AG (KBC AM). Die Informationen und angegebenen Zahlen stellen eine Momentaufnahme dar und können sich ohne vorherige Ankündigung ändern. Die Informationen bieten keine Garantie für die Zukunft. Die Informationen dürfen weder als Anlageberatung noch als Anlageempfehlung verstanden werden. Dieses Dokument darf nicht – auch nicht teilweise – ohne die vorherige ausdrückliche und schriftliche Zustimmung der KBC AM reproduziert werden. Diese Informationen unterliegen belgischem Recht und der ausschließlichen Gerichtsbarkeit der belgischen Gerichte.