Hoher Rechenleistungsbedarf der KI belastet das Stromnetz
Der Vormarsch der künstlichen Intelligenz (KI) treibt die Nachfrage nach Rechenleistung an. Allerdings lassen sich KI-Rechenzentren schneller errichten als an das Stromnetz anbinden, die Stromversorgung wird zu einem entscheidenden Engpass. Gleichzeitig eröffnen sich an der Schnittstelle von Technologie, Energie und Infrastruktur neue Chancen für Investoren.
Rechenleistung ist der Motor unserer digitalen Wirtschaft und Gesellschaft. Vor allem in den Vereinigten Staaten entstehen in rasantem Tempo große Rechenzentren, eine Art Supercomputer, die Rechenleistung bereitstellen. „Die Nachfrage nach Rechenleistung ist viel größer als das Angebot“, sagt Joris Franck, Portfoliomanager und Technologieexperte bei KBC Asset Management.
Die Nachfrage nach Rechenleistung steigt seit Jahrzehnten: Leistungsfähigere Chips ermöglichen neue Anwendungen, die wiederum die Nachfrage steigern. Die künstliche Intelligenz hat diese Entwicklung nun beschleunigt. Es ist, als würden auf derselben digitalen Autobahn plötzlich keine Autos mehr fahren, sondern Lkw.
Kapital und Macht
Der Bau zusätzlicher Rechenzentren ist nicht einfach eine Lösung. KI-Rechenzentren sind extrem kapitalintensiv und technisch komplex. Jedes neue Rechenzentrum verschiebt die Grenzen des Möglichen“, sagt Franck. „Außerdem unterscheiden sie sich grundlegend von ihren Vorgängern. Herkömmliche Rechenzentren basieren hauptsächlich auf CPUs (Central Processing Unit) und unterstützen Anwendungen wie Websites, Streaming und Cloud-Software. KI-Rechenzentren werden gebaut, um KI-Modelle zu trainieren und zu nutzen.
Dieser Unterschied macht sich auch bei der Hardware bemerkbar. „KI-Rechenzentren laufen hauptsächlich auf GPUs (Graphics Processing Units) oder KI-Beschleunigern.“ Ingenieure lassen Hunderttausende von GPUs in einem Cluster zusammenarbeiten, bald vielleicht sogar Millionen. Bei einer Million GPUs kommt man leicht auf 30 Milliarden Dollar. Und da sind das Gebäude, die Stromversorgung und die übrige Infrastruktur noch gar nicht eingerechnet.“
Wie physisch diese Infrastruktur ist, zeigt sich vor allem am Energiebedarf. „Die größten KI-Rechenzentren sind so ausgelegt, dass sie kontinuierlich etwa ein Gigawatt verbrauchen“, sagt Jonas Theyssens, Portfoliomanager und Branchenexperte bei KBC Asset Management. „Das sind rund 24 Gigawattstunden pro Tag, ungefähr so viel wie der tägliche Verbrauch von etwa 750.000 Haushalten.“
„In den USA ist zum ersten Mal seit etwa fünfzehn Jahren wieder ein deutlicher Anstieg der Stromnachfrage zu beobachten“, sagt Theyssens. „Die Kombination aus der Elektrifizierung von Autos und Wärmepumpen sowie aus Rechenzentren als neuen Großverbrauchern treibt die Nachfrage strukturell in die Höhe.“ Nach Ansicht von Theyssens liegt die Ursache des Problems jedoch nicht in einem absoluten Strommangel. „Das grundsätzliche Problem ist, dass Strom ein physisches Produkt ist, das man lokal und kontinuierlich bereitstellen muss. Strom kann man nicht einfach so umverteilen. Und genau da liegt das Problem: Rechenzentren konzentrieren sich auf bestimmte Regionen und verbrauchen dort auf einen Schlag enorme Mengen an Strom.“
Die digitale Welt denkt in Quartalen, die Stromwelt in Jahren bis Jahrzehnten. Ohne Netzanschluss bleibt selbst das modernste Rechenzentrum eine leere Hülle.
Jonas Theyssens, Portfoliomanager und Branchenexperte bei KBC Asset Management
Die Folge ist ein Engpass im Stromnetz. „Die Netze wurden ursprünglich nicht für eine derart hohe und konzentrierte Belastung ausgelegt, geschweige denn für das Tempo, mit dem wir neue Projekte umsetzen.“ Daher ist die Anlaufzeit für die Stromversorgung von entscheidender Bedeutung. Ein Rechenzentrum lässt sich relativ schnell bauen, in etwa eineinhalb bis zwei Jahren, aber der Zugang zur Stromversorgung braucht viel mehr Zeit. In einigen Regionen betragen die Wartezeiten für den Netzanschluss bis zu sieben Jahre. Die digitale Welt denkt in Quartalen, die Stromwelt in Jahren bis Jahrzehnten. Ohne Netzanschluss bleibt selbst das modernste Rechenzentrum eine leere Hülle.“
Chancen für Anleger
Inzwischen zeichnet sich bereits ein weiterer Nachfragebeschleuniger ab. „KI-Agenten verbrauchen ohne weiteres das Zehntausendfache an Rechenleistung als ein Chatbot“, sagt Franck. Es handelt sich um Software, die Aufgaben selbstständig ausführt, indem sie zugrunde liegende KI-Modelle ansteuert. Diese Modelle verarbeiten Anweisungen und Informationen als Token: kleine Text- oder Datenabschnitte. Man hört bereits von Unternehmen, die ihr Token-Budget für ein ganzes Jahr innerhalb weniger Monate aufbrauchen. In manchen Fällen kann ein KI-Agent sogar teurer sein als ein menschlicher Mitarbeiter.“
In manchen Fällen kann ein KI-Agent sogar teurer sein als ein menschlicher Mitarbeiter.
Joris Franck, Portfoliomanager und Technologieexperte KBC Asset Management
Für Anleger eröffnet sich damit ein weites Feld, aber auch eine komplexe Landschaft. Die Chancen beschränken sich nicht auf Technologieunternehmen, sondern erstrecken sich auch auf die Bereiche Infrastruktur, Energie und Industrie. „Die Frage lautet nicht so sehr: ‚Wer gewinnt das KI-Rennen?‘, sondern: ‚Was ist nötig, um dieses Wachstum überhaupt erst zu ermöglichen?‘“ Deshalb ist Diversifizierung mehr denn je kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Bei unseren thematischen Fonds betrachten wir das Thema aus einer breiten Perspektive, verfolgen die Entwicklungen aus nächster Nähe und bauen bewusst ein Engagement über verschiedene Sektoren und Blickwinkel hinweg auf“, schließt Theyssens.
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