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„Energy as a Service“: Die Energiewende bekommt ein neues Geschäftsmodell

Solar- und Windenergie sind in weiten Teilen der Welt die wichtigsten Quellen für neuen Strom. Doch nicht jeder hat das Kapital, das Wissen oder den Platz, um selbst in eine Anlage zu investieren. „Energy as a Service“ (EaaS) kann diese Hürde senken. Was bedeutet dieses Modell für Anleger?

Wir sprechen mit Jonas Theyssens, Portfoliomanager bei KBC Asset Management.

Die Essenz

  • Dank „Energy as a Service“ können Unternehmen ihre Energienutzung nachhaltiger gestalten, ohne die gesamten Investitionskosten selbst tragen zu müssen.
  • Ob das auch angebracht ist, muss von Fall zu Fall geprüft werden: Wer über ausreichende Kenntnisse und Kapital verfügt, sollte vielleicht besser selbst investieren?
  • Ein breit angelegter, breit gefächerter thematischer Ansatz ist weiterhin angebracht.

Energie steht wieder im Fokus

Eine Energierechnung, die von internationalen Konflikten beeinflusst wird. Ein Stromnetz, das an immer mehr Orten unter Druck steht. Und Regierungen, die Unternehmen und Verbraucher dazu anregen, nachhaltiger zu werden. Das Thema Energie steht in den letzten Jahren wieder verstärkt im Mittelpunkt des Interesses.

Wir wollen mehr Kontrolle über unsere Energiekosten haben und weniger abhängig von fossilen Brennstoffen sein. Es verfügt aber nicht jeder über das Kapital, das Wissen oder den Platz, um selbst in eine Anlage zu investieren. Zudem entwickelt sich die Technik rasant weiter und die Verwaltung wird immer komplexer, insbesondere für Großabnehmer.

„Energy-as-a-Service“ beseitigt eine wichtige Hürde: Sie brauchen heute nicht viel zu investieren, um morgen Energie zu sparen.

Jonas Theyssens, Portfoliomanager bei KBC Asset Management

„Energy as a Service“ greift diese Entwicklung auf. „Ein externer Anbieter verlegt die Solarmodule, installiert die Batterien und Ladestationen und kümmert sich um Wartung und Nachbetreuung“, erklärt Jonas Theyssens, Portfoliomanager bei KBC Asset Management. „Man ist kein Eigentümer, sondern zahlt für die Nutzung. Dieses Modell findet auch bei Unternehmen Anklang: Diese können ihre Energieversorgung nachhaltiger gestalten, ohne die gesamte Investition selbst tragen zu müssen. Große Unternehmen lassen manchmal sogar ein eigenes lokales Stromnetz errichten. Der externe Partner kümmert sich, je nach Vertrag, um die Verwaltung, technische Modernisierungen und Leistungs- und Verfügbarkeitsvereinbarungen.“

Von Fall zu Fall

Man kann EaaS mit Cloud-Computing vergleichen. Früher standen die Server eines Unternehmens im eigenen Keller, heute mietet dasselbe Unternehmen Rechenleistung in der Cloud. EaaS leistet im Grunde das gleiche im Bereich der Energie. Die Innovation liegt nicht nur in den Solarmodulen oder Batterien selbst, sondern vor allem in der Kombination aus Software, Finanzierung, Verwaltung und Dienstleistungen. Für den Kunden kann dies die Investitionshürde senken und für bessere Planungssicherheit beim Kostenaufwand sorgen.

Trotz der vielen Vorteile ist EaaS nicht für jeden die beste Wahl. Der Anbieter verrechnet die Investition über den Vertrag, einschließlich einer Gewinnspanne. Die Verträge laufen oft über zehn bis zwanzig Jahre, und man wird von einem einzigen Partner abhängig. „Wer über das Geld und das Know-how verfügt, ist mit einer eigenen Investition möglicherweise besser beraten“, relativiert Theyssens. „Das muss man von Fall zu Fall prüfen. Aber dieser Service macht die Energiewende und damit auch die Energieautarkie für viele Akteure greifbarer.“

Drei Betrachtungsweisen für den Anleger

Was bedeutet das für den Anleger? „Es ist eindeutig ein Trend, den man im Auge behalten sollte, nur ist es heute noch eine Nische, wodurch auch Risiken damit verbunden sind“, sagt Theyssens.  

„Eine erste Kategorie besteht aus Unternehmen, die EaaS oder ein verwandtes Dienstleistungsmodell in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten stellen, wie beispielsweise EnergyVision, Sunrun oder Ameresco.

Eine zweite Kategorie bilden die Enabler wie Schneider Electric oder Honeywell. Sie liefern unter anderem Energiemanagement-Software, Automatisierungstechnik und Infrastruktur.

Schließlich gibt es Zulieferer wie Prysmian oder Legrand, die Kabel, elektrische Komponenten und unterstützende Systeme liefern.“

(Diese Unternehmen werden nur zur Veranschaulichung genannt. Dies ist nicht als Anlageempfehlung zu verstehen.)

Unser thematischer Ansatz berücksichtigt sowohl Pioniere als auch Unternehmen, die mitwachsen können, wenn sich Lösungen breiter durchsetzen.

Jonas Theyssens, Portfoliomanager bei KBC Asset Management

Wer auf diesen Trend setzen möchte, sollte laut Theyssens derzeit am besten einen breiten Ansatz wählen und die Energiewende als Ganzes betrachten. Dieses Thema wird seiner Meinung nach noch unterschätzt. „Solar- und Windenergie sind fast überall auf der Welt wettbewerbsfähige Energiequellen. Das schafft Chancen, aber die Energiewende erfordert weit mehr als nur Solaranlagen und Windkraftanlagen. Auch das Stromnetz muss erheblich ausgebaut werden, und intelligente Energiespeicher gewinnen an Bedeutung. EaaS ist also nur ein kleiner Teil der Lösung. Bei KBC Asset Management verfolgen wir solche Trends bewusst bereits in einem frühen Stadium.“

Dieser breite Blickwinkel passt übrigens auch zum thematischen Ansatz von KBC Asset Management, bei dem der Fondsmanager von strukturellen Veränderungen ausgeht, die Wirtschaft und Gesellschaft langfristig prägen. Im Rahmen dieser Megatrends werden sowohl Pioniere als auch Unternehmen beobachtet, die mitwachsen können, wenn Lösungen zunehmend Verbreitung finden.

„Wir warten also nicht unbedingt, bis sich eine Entwicklung vollständig durchgesetzt hat“, sagt Theyssens. „Wir untersuchen auch Trends, die sich noch in einem frühen Stadium befinden, und nehmen sie, sofern die Analyse, die Bewertung und das Risiko-Rendite-Verhältnis dies rechtfertigen, in unser Anlageuniversum auf. Diversifizierung bleibt wichtig.“


 

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Dieser Artikel ist rein informatorisch und darf nicht als Anlageberatung betrachtet werden.